Facebook-Live und der Militärputsch

Mittlerweile haben alle die Bilder aus der Türkei während des (wohl gescheiterten) Militärputsches sehen können. Trotzdem ist die Versorgung mit Bildmaterial immer noch sehr spärlich und bei vielen Sendern sind überwiegend Endlosschleifen zu finden. Gestern Abend und in der Nacht war noch deutlicher zu spüren, dass die meisten Medien kaum Zugang zu aktuellen Videos und Fotos hatten.

Man könnte auch im 21. Jahrhundert davon ausgehen, dass dies ein gewöhnlicher Vorgang während eines so unerwarteten Ereignisses wäre, aber Facebook hat uns letzte Nacht eigentlich eines besseren belehrt. Über die Facebook-Live-Karte konnte man die ganze Nacht zwischen hunderten Livestreams in der ganzen Türkei wählen und die Geschehnisse hautnah mitverfolgen. Vor allem in Istanbul und in Ankara gab es eine Vielzahl an Livevideos, die oftmals direkt im Kampfgeschehen gedreht wurden.

Tolga Çolakoğlu sendete mehrere Stunden live aus Ankara
Jeder Kampfjet war zu hören, jeder Schuss, jede Detonation und jeder Schrei. Man konnte über Facebook, vor dem Bildschirm sitzend, die Kämpfe mitverfolgen und schreckte gleichzeitig mit den Filmenden nach umliegenden Einschlägen zusammen. Einerseits ist es eine unfassbare technische Entwicklung, die noch viel Potential hat und in Zukunft von den Medien sicher (stärker) genutzt werden wird, um wirklich aktuelles Bildmaterial zu bekommen, aber andererseits ist es eine irreale Situation, wenn man per Mausklick live bürgerkriegsähnliche Geschehnisse mitverfolgen kann.

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