Studieren oder Arbeiten? – Akademisierungswahn als das kommende Problem der Arbeitswelt.

Viele standen bereits vor dieser Entscheidung. Soll ich lieber arbeiten gehen oder soll ich jetzt (weiter)studieren? In Deutschland steigt seit einigen Jahren die Zahl an Studenten an Hochschulen und Universitäten immer weiter an. Gleichzeitig suchen immer mehr Betriebe verzweifelt nach Auszubildenden und Fachkräften. Man beklagt sich mittlerweile gerne über die sog. “Überakademisierung”, die im Land immer stärker in Erscheinung tritt. Jeder Abiturient möchte studieren, Niemand eine Ausbildung machen. Gesellschaftlich ist es fast nicht mehr akzeptiert, wenn man nach dem Erreichen der Allgemeinen Hochschulreife keine akademische Laufbahn einschlägt und man sich dazu entschließt, “nur” einen Ausbildungsberuf zu erlernen. Leidtragende sind die Unternehmen, die mit den Folgen dieses Umschwungs zu kämpfen haben.

Gesellschaftlicher Wandel als das Problem?

Beim Thema “Akademisierungswahn” stellt sich mir immer die Frage nach den Erwartungen, die sich in unserer Gesellschaft bezüglich Abiturienten seit einiger Zeit verändert zu haben scheinen. Wieso wird das Studium als Pflicht angesehen? Es stellt sich oftmals weniger die Frage nach der Tätigkeit, die man mal ausüben möchte als eher um die theoretischen Chancen, die sich dem Studenten nach dem Studium bieten könnten. Die Vorstellungen über die genaue Zukunft in der Arbeitswelt sind bei den meisten Studenten bis zum Ende der Studienzeit mehr als unklar. Gleichzeitig wird der Praxisbezug der Studiums immer geringer. Viele Unternehmen beklagen sich über die theoretische Orientierung vieler Akademiker, die während ihrer Zeit an der Universität in der Regel nur ein kurzes Pflichtpraktikum absolvieren müssen und folglich kaum in Kontakt mit der richtigen Arbeitswelt kommen.

Lösungsansätze: Mehr Praktika und das Teilzeitstudium

Für das Problem des Praxisbezuges zeigen sich meiner Meinung nach nur zwei Lösungsansätze. Einerseits müssen viele Studiengänge mehr Praxisnähe durch Praktika vermitteln, also über das obligatorische 6-Wochen-Praktikum hinausgehen. Weiterhin müsste das Angebot an Teilzeitstudiengängen an Hochschulen und Universitäten ausgebaut werden. Bisher ist die Zahl der Studiengänge, die in Teilzeit studiert werden können extrem gering, die Teilzeitregelungen der Universitäten nicht ausgereift, die generelle Auswahl der Themenfelder sehr übersichtlich und die Orientierung als reines Weiterbildungsstudium noch zu groß.

Studiengangs-Teilzeit-Quote nach Bundesländern

Wir brauchen mehr Teilzeitstudiengänge!

Ein immer häufiger werdendes Bild: Student, Anfang/Mitte 20, Bachelor fertig, hat Job in Aussicht, möchte eigentlich einen Master machen, möchte Geld verdienen, möchte nicht als Theoeretiker dastehen, möchte die Chance nicht verpassen, hat Angst keinen Master zu beginnen, wenn er erstmal einen Arbeitsplatz hat.
Man befindet sich in einer Zwickmühle. Man kann eine (vlt) einmalige Gelegenheit nutzen, aber auch einfach weiterstudieren und abwarten. Man möchte Geld verdienen, aber in der Zukunft nicht in seinen Aufstiegschancen gehemmt sein. Der Ausweg kann in diesem Fall das Teilzeitstudium sein. Dieses muss jedoch im Zeitaufwand abgestimmt und die Arbeitssituation des Berufstätigen angepasst sein. Als Nebeneffekt zeigt sich dadurch das frühere Heranführen an das Berufsleben, weniger freie Arbeitsstellen, eine größere ökonomische Sicherheit für die Person und mehr Chancen in der Arbeitswelt. Kurz gesagt: Das Teilzeitstudium hat enorm viel Potential und sollte stärker ausgebaut werden.